Ein ganz normaler Mittwoch im Leben eines Espressokochers!

Es ist Mittwochmorgen, kurz vor acht Uhr, eine Woche vor den Pfingstferien.

Es ist noch ganz ruhig und dämmrig hier in den Räumen, doch ich warte bereits auf das vertraute Geräusch, wenn Frau Müller, die Sekretärin dieses Hauses, die Eingangstür aufsperrt. Gestatten Sie, dass ich mich bis dahin vorstelle: Ich bin EKO 364/E und seit vielen Jahren hier im Dienst. Meine Aufgabe: Espresso zubereiten. Im entferntesten also verwandt mit dem ehrenwerten Berufsstand der Butler, dessen Tugenden ich mich bemühe einzuhalten: Zurückhaltung, Diskretion, Höflichkeit und stets zuverlässig bereit, wenn ich gebraucht werde.

Oh – Frau Müller kommt. Etwas früher als normalerweise, was auf einen anstrengenden Tag schließen lässt. Ihr Schritt ist ungewöhnlich energisch bei den täglichen Handgriffen ihrer Arbeit. Ich höre sie den Computer hochfahren, den Anrufbeantworter abhören und auch gleich ein Telefonat führen.

Gerade als sie sich auf den Weg zu mir macht, um mich zum ersten mal an diesem Tag mit meiner Aufgabe zu betrauen höre ich erneut den Schlüssel in der Tür. Dem unverwechselbaren Klang der Schritte entnehme ich, dass Frau Weber kommt, auch Mitarbeiterin hier, zuständig für das Dekanat Laim. Das verspricht eine muntere Küchenunterhaltung, denn den ersten Morgencappuccino trinken sie nun gemeinsam und besprechen dabei gleich noch anstehende, wichtige Gegebenheiten.

Es ist erst kurz nach 10.00 Uhr, da klingelt es bereits an der Tür. Das ist nicht ungewöhnlich hier, relativ häufig kommen nette Menschen vorbei, ohne Mitarbeiter zu sein. Dies ist immer eine willkommene Abwechslung, denn obgleich natürlich alle Gespräche hier selbstverständlich äußerst diskret behandelt werden, erfahre ich sehr viel.

Heute ist es eine junge Frau. Sie klingt etwas aufgeregt, als ihr Frau Müller die Tür aufmacht.

Mit schnellen Schritten eilt sie den Gang entlang in die Küche, wo sie von Frau Weber mit der freundlichen Frage nach einer Tasse Cappuccino empfangen wird. Wie fast alle Besucher nimmt sie dankend an. Ich komme also erneut zum Einsatz, als von der Tür der vertraute Klang der Schritte von Frau Rittenhofer zu hören ist. Sie ist auch Mitarbeiterin hier und eine meiner aktivsten AuftraggeberInnen. Die Küche füllt sich und trotz der Aufregung unseres Gastes liegt mit dem Duft von frisch gebrühtem Espresso deutlich ein Gefühl des Wohlfühlens in der Luft.

Von den Aussagen der Anwesenden verstehe ich nicht Alles immer ganz, doch was ich verstehe ist, dass uns die so aufgeregt hier angekommene junge Frau mit Erleichterung wieder verlässt.

Pause für mich, weil Alle anwesenden konzentriert und emsig ihrer Arbeit nachgehen. Nur das leise knistern von Computertasten und ab und zu ein Telefonat ist zu hören. Allerdings nicht lange, denn gegen Mittag erscheint Frau Rittenhofer mit einem Großauftrag an mich und meine Kollegen, die Kaffeemaschine und den Wasserkocher hier. Es scheint ein Treffen mit mehreren Gästen anzustehen. Wir werden soeben mit unserer Arbeit fertig, als auch schon eine Schar netter Menschen, hier als „Jugendseelsorger“ bezeichnet, eintrifft. Fröhliches Plaudern und Lachen erfüllt die Räume, abwechselnd mit ernsten Gesprächen und Überlegungen. Es ist förmlich zu greifen, dass diese Menschen einen Teil Ihrer Sorgen, Fragen aber auch Freuden aussprechen und teilen. Ich habe Hochkonjunktur und stelle wieder einmal mehr fest, welch wohltuende Wirkung es auf die meisten Menschen hat, wenn ein frischer Cappuccino, Espresso oder Tee vor Ihnen steht.

Als die Herren Jugendseelsorger, spürbar besser gelaunt als bei ihrem Eintreffen, wieder gehen merke ich erst, dass inzwischen Herr Janus, auch Mitarbeiter unseres Hauses, gekommen und Frau Müller gegangen ist. Übergangslos darf ich also erneut meinem Auftrag nachkommen und wieder erfüllen interessante Gespräche meine Umgebung. Wie oft schon habe ich erlebt, wie sich die Drei über Ideen gebrütet, sich über Einfälle gefreut und Pläne geschmiedet haben. So auch heute.

Allerdings unterbrochen von einem jungen Mann, den ich hier noch nie gesehen habe. Frau Rittenhofer scheint ihn zu kennen, denn er sagt, er wäre zufällig vorbei gekommen und wollte nur mal so rein schauen.

Auch er bekommt seinen Espresso und wieder erfüllt die Küche das Summen von freundlichen, interessierten, hilfsbereiten Stimmen.

Allmählich werde ich müde und bin deshalb auch nicht böse, als diese vier Menschen gegen 17:00 Uhr gemeinsam die Jugendstelle verlassen.

Meine Tagesarbeitsleistung: vierzig Tassen Espresso, zwölf Tassen Cappuccino und ein freundschaftliches Geplänkel mit dem Wasserkocher, weil niemand Tee trinken wollte.

Dazu die feste Überzeugung, dass ich einen wichtigen Beitrag dazu leiste, dass sich die Mensachen die hierher kommen willkommen fühlen und meist ein bisschen fröhlicher weg gehen, als sie gekommen sind.

Kommen Sie ruhig vorbei und überzeugen sie sich selbst.

Mit freundlichen Zischen

EKO 364/E 
(aufgeschrieben von Helga Rittenhofer)
 

Mitarbeiterinnen
Helga Rittenhofer Jugendpflegerin
Gabi Müller Verwaltungsmitarbeiterin

Dekanatsjugendleitung
Sarah Kainz (bis Juli 2010)
Conzi Bär (bis Juli 2010)
Christian Spitschka (bis Juli 2010)
Martin Albert (bis Juli 2010)

Verbände im Dekanat

KJG      St. Achaz
KJG      St. Ansgar
DPSG   St. Ansgar
DPSG   Maximilian Kolbe, Pullach
GCL      Neuried